dismiss-alert
header-area-background-wrapper
site-banner
center-left-menu
center-right-menu

März 2009-Interview mit einem Direktor von SFM mit dem Exel-Magazin

Das kollektive Unbewusste verbindet das Konzept eines Offshore-Unternehmens oftmals mit Steuerbetrug. Um uns zu helfen, Wahrheit von Unwahrheit zu trennen, hat sich der Direktor von SFM bereiterklärt, unsere Fragen zu beantworten.

  • excel2excel2excel3

 

Können Sie das Konzept eines Offshore-Unternehmens für uns definieren?

Ein Offshore-Unternehmen ist ein Unternehmen, das in einem Land gegründet wird, wo wenig oder keine Steuern gezahlt und wenig oder keine Buchführungsauflagen eingehalten werden müssen. Wenn eines dieser beiden Kriterien erfüllt ist, kann man von einem Offshore-Zentrum oder einer Offshore-Jurisdiktion sprechen und in diesem Land gegründete Unternehmen werden als Offshore-Unternehmen bezeichnet. Viele Länder wie Zypern oder Gibraltar gelten heute als Offshore-Zentren, denn obwohl es dort Steuern gibt, sind die Steuersätze sehr niedrig und es kann sogar möglich sein, diese völlig zu umgehen. Aktuell wurden vier Hauptbereiche für Offshore-Zentren auf der Welt ausgemacht. Zunächst einmal ist da die Karibik mit den Cayman-Inseln, den Britischen Jungferninseln, Belize usw. Danach kommt Europa mit den Kanalinseln, Zypern und Gibraltar. Dann gibt es die Region Afrika, zu der die Seychellen und Mauritius gehören, da diese Länder geografisch gesehen dem afrikanischen Kontinent am nächsten sind. Anzumerken ist, dass die Seychellen 2008 das Land mit der größten Zahl an Gründungen weltweit war. Dies ist das Land, das in den letzten paar Jahren das größte Wachstum erlebt hat. Und schließlich ist da noch die asiatisch-pazifische Region mit den Cook-Inseln, Singapur, Hongkong usw. Zurzeit befinden sich alle Offshore-Unternehmen in diesen vier Hauptregionen mit insgesamt etwa 50 Ländern.

Was genau hat Ihr Unternehmen zum Gegenstand?

Um ein Unternehmen zu gründen, muss dies über einen ortsansässigen Bevollmächtigten, einen sogenannten Resident Agent, verfügen. Im Gegensatz zur Schweiz, wo es genügt, einfach zum Notar zu gehen, benötigt man für eine Offshore-Jurisdiktion ein ortsansässiges Unternehmen, das die Unternehmensgründung von A bis Z für Sie abwickelt. Wir selbst sind ortsansässige Bevollmächtigte in verschiedenen Ländern. Wo wir dies nicht sind, wie zum Beispiel in Panama, nutzen wir die Dienstleistungen eines ortsansässigen Bevollmächtigten mit sehr guten Bedingungen. Unabhängig vom Land jedoch benötigen Sie einen ortsansässigen Bevollmächtigten, der das Unternehmen für Sie anmeldet und der von der örtlichen Regierung kontrolliert wird. Sie können eine Übersicht über die ortsansässigen Bevollmächtigten auf der Website des jeweiligen Landes einsehen.

Der Begriff „Offshore-Unternehmen“ wird oft mit Steuerhinterziehung verwechselt. Wie wird die Grenze zwischen diesen beiden Begriffen definiert?

Heute werden die meisten Offshore-Unternehmen in einem völlig legalen Rahmen genutzt. Mit legalem Rahmen meine ich vollkommen anerkannte Strategien zur Steueroptimierung oder Nachlassplanung, insbesondere durch Trusts und Stiftungen, die selbst legale Instrumente sind. In England, das so viel Druck auf Offshore-Länder ausübt, zum Beispiel, wie auch in vielen anderen Ländern (mit Ausnahme der Schweiz) ist das Gesetz zu Trusts und deren steuerlichen Vorteilen anerkannt. Dieses Verfahren ermöglicht es Ihnen, Ihr gesamtes Bank- oder Immobilienvermögen bzw. einen Teil davon an einen Trust zu übertragen. Je nach Art des Trusts legt die Person fest, wer Anspruch auf dieses Vermögen haben soll und hat selbst keinen Zugriff mehr darauf. Wie die Bezeichnung „Trust“ schon sagt, ist dies eine Methode, bei der Vertrauen von grundlegender Bedeutung ist, denn der Treuhänder, die Person, die das Vermögen verwaltet, hat (fast) die gesamte Verfügungsgewalt darüber. Da Ihnen das Vermögen nicht mehr gehört, sind Sie hierfür nicht mehr steuerpflichtig. Der Trust hat dann im Allgemeinen ein Offshore-Unternehmen, um das Geld zu verwalten, an dem es Anteilseigner ist. In unserem Fall geht es bei vielen der Anfragen, die wir erhalten, um Nachlassplanung. Dann gibt es viele Offshore-Unternehmen im Rahmen von Hedgefonds, die sowohl legal als auch anerkannt sind, auch in diesem Bereich sind wir tätig. Schließlich muss man den Tatsachen ins Gesicht sehen: Der aktuelle Druck, dem Offshore-Länder ausgesetzt sind, ist zu einem gewissen Grad legitim, da in den letzten Jahren zahlreiche Banker und Vermögensverwalter diese Offshore-Zentren genutzt haben, um Provisionen für Finanzinstrumente zu erhalten, die selbst bankrottgegangen sind. Wenn Ihr Manager Provisionen für den Verkauf eines Hedgefonds erhalten hat, der danach bankrottgegangen ist, ist es nur natürlich, dass Sie verstärkte Kontrolle über diese Länder haben möchten. Dennoch ist es wahr, dass die meisten Unternehmen in Offshore-Zentren einen völlig legalen Rahmen haben. Um auf den Druck zurückzukommen, der auf diese Offshore-Zentren ausgeübt wird, glaube ich, dass dieser tatsächlich ein bisschen heuchlerisch ist. Tatsächlich sind oft Länder wie Frankreich und das Vereinigte Königreich beteiligt, die ihre eigenen Offshore-Zentren besitzen (Jersey und Guernsey im Fall des Vereinigten Königreichs, Monte Carlo im Fall von Frankreich), von denen sie direkt profitieren. Wenn die genutzten Zentren natürlich Länder sind, von denen die G20-Staaten nicht profitieren, erhöhen sie den Druck auf diese, und die aktuelle Krise trägt dazu bei, die öffentliche Meinung einfacher beeinflussen zu können. Während hinter diesen Maßnahmen legitime Gründe stehen, sind diese öfter von Gewinnaussichten motiviert. Wie dem auch sei, es hat immer Offshore-Zentren gegeben und es wird sie wahrscheinlich auch immer geben. Während einige schließen, entstehen neue. Ich denke insbesondere an die Britischen Jungferninseln, die lange das bekannteste und am meisten genutzte Offshore-Zentrum waren, die jedoch 2008 unter Druck gerieten und Abkommen zum Steuerinformationsaustausch mit mehreren Regierungen wie dem Vereinigten Königreich unterzeichnen mussten. Das Ergebnis ist, dass die Landkarte der Offshore-Zentren ständig neu gezeichnet wird und sich mittlerweile in Richtung Naher Osten und Asien-Pazifik bewegt, Regionen, die weniger Druck ausgesetzt sind. Tatsächlich wurde auf die Zentren in der Karibik so viel Druck ausgeübt, dass sich die Aktivität auf andere Zentren verlagert hat, insbesondere auf die Seychellen.

Muss ein Unternehmen gegründet werden, um in diesen Ländern vertreten zu sein, oder kann ein bereits bestehendes Unternehmen dort ein Tochterunternehmen eröffnen?

Es gibt zwei Vorgehensweisen: Entweder ist der Kunde präsent und möchte ein neues Unternehmen gründen. In diesem Fall prüfen wir, ob der Name verfügbar ist, und melden dann das Unternehmen an. Im anderen Fall kann uns der Kunde um ein Unternehmen bitten, das bereits seit mehreren Jahren existiert und das als „Vorratsgesellschaft“ bezeichnet wird. Dies ist ein Verfahren, das in diesen Ländern absolut legitim ist und wobei wir ein Unternehmen gründen, das wir zunächst nicht verkaufen. Wir lassen es gewissermaßen eine Weile ruhen, um es nach einigen Jahren zum Wohle eines Kunden zu veräußern, der es besitzen möchte. Dies bedeutet, dass diejenigen, die durch dieses Unternehmen Geschäfte machen möchten, durch das Alter des Unternehmens mehr Glaubwürdigkeit erhalten.

Welche Risiken im Zusammenhang mit Offshore-Unternehmen bestehen?

Wie im Fall der Britischen Jungferninseln gibt es das Schreckgespenst der „Abkommen zum Steuerinformationsaustausch“, was Kunden in mehr oder weniger starkem Maß von der Gründung eines Unternehmens dort abhält, da sie das Gefühl haben, dass früher oder später das Risiko eines Informationsaustauschs mit anderen Ländern besteht. Auch kann es Risiken in Bezug auf die Stabilität und den Ruf dieser Offshore-Zentren geben.

Weshalb sind angesichts der Vorteile nicht mehr Unternehmen in einer Offshore-Jurisdiktion ansässig?

Sie müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass Sie mit einem Offshore-Unternehmen nicht alles machen können. Zum Beispiel können Sie kein Offshore-Unternehmen anmelden und in der Schweiz Geschäfte machen, ohne Steuern zu zahlen. In der Tat sind alle auf dem Gebiet der Schweiz getätigten Geschäfte steuerpflichtig. Andererseits ist es vorteilhafter, ein Offshore-Unternehmen mit einer Schweizer Tochtergesellschaft zu gründen als eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Heute können Sie für ca. 1000 € ein Offshore-Unternehmen gründen sowie ein Tochterunternehmen für etwa den gleichen Betrag. Im Ergebnis erhalten Sie mehr oder weniger die gleiche Leistung für den Preis von ca. 3000 Franken.

Kann dieses Verfahren zu Steuerhinterziehung führen?

Theoretisch nicht, da das in der Schweiz erwirtschaftete Geld steuerpflichtig ist. Es ist jedoch möglich, dass einige Unternehmen ihre Einnahmen auf den Konten der Offshore-Firma verbuchen, um diese Steuern zu umgehen. Dies ist Steuerhinterziehung und völlig illegal. Wir dürfen die Tatsache nicht ignorieren, dass einige Offshore-Zentren aus diesem Grund genutzt werden, es kommt jedoch für uns nicht in Frage, unsere Kunden hierzu zu ermutigen!

Was können Sie tun, wenn Sie erfahren, dass einer Ihrer Kunden, der sich wegen steuerlicher Optimierung an Sie gewandt hat, Steuern hinterzogen hat?

Was uns betrifft, so ist unsere Rolle auf die Gründung des Unternehmens und dessen Verwaltung auf administrativer Ebene beschränkt. Es ist jedoch unsere Politik, eine Hilfe zur Steuerhinterziehung abzulehnen.

Was sind die wichtigsten Kriterien für die Wahl einer Offshore-Jurisdiktion?

Es gibt eine Reihe von Kriterien, die dazu führen, für die Gründung ein bestimmtes Land einem anderen vorzuziehen. Zunächst einmal muss sich dieses Land einer anerkannten politischen Stabilität erfreuen. Als nächstes muss es über einen guten Ruf verfügen, da dort Bankkonten eröffnet und Gelder verwaltet werden. Es muss außerdem über beträchtliche Kommunikationsressourcen verfügen. Stellen Sie sich vor, Sie möchten wichtige Änderungen am Unternehmen vornehmen und die Telefone funktionieren nicht! Die geltenden Unternehmensgesetze müssen ebenfalls anerkannt sein. Die Kosten sind ein weiterer Faktor. Einige Länder erhöhen die Kosten jedes Jahr, während andere – wie die Seychellen – lebenslang die gleichen Kosten garantieren! Und schließlich ist Vertraulichkeit ein wichtiger Faktor. Sie wollen nicht, dass alle Daten Ihres Unternehmens öffentlich gemacht werden. Nach sorgfältiger Prüfung dieser Kriterien reduziert sich die Liste der Länder, wo die Gründung eines Unternehmens akzeptabel ist, auf 20.

Vorherige Zurück zur Liste Nächster
Stars